Buch schreiben ohne Schreibtalent: Sprechen statt schreiben

Vielleicht zweifeln Sie an Ihrem Schreibtalent. Vielleicht ist das sogar der Grund, warum Sie noch kein Buch geschrieben haben. Dann habe ich eine gute Nachricht: Für ein gutes Fachbuch müssen Sie nicht schreiben können. Sie müssen nur erzählen können.
Mein erstes Buch hat mich Jahre gekostet. Das Schreiben war extrem anstrengend. Einige Zeit später habe ich ein komplettes Fachbuch über Lean Management in wenigen Tagen fertiggestellt. Der Unterschied: Ich hatte ein System entwickelt. Sein Kern ist einfach. Statt ein Buch zu schreiben, sprechen Sie es. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, wie diese Methode funktioniert.
Schreiben ist Handwerk, kein Talent
Schreiben ist eine Fähigkeit, die man üben kann wie jede andere. Die Frage ist nur, ob Sie Zeit und Lust haben, sich mit jedem Satz, jedem Wort und jedem Komma zu beschäftigen. Ein gutes Buch entsteht in vielen Runden: erster Entwurf, zweiter Entwurf und dann feilen, feilen, feilen.
Vielbeschäftigte Unternehmer wollen diesen Weg selten gehen. Sie wollen ihre Gedanken loswerden und die Feinarbeit jemand anderem überlassen. Das ist verständlich. Bücher zu schreiben gehört nicht zu den Aufgaben eines Unternehmers.
Stellen Sie sich vor, wie viel wertvolles Wissen in den Köpfen von Experten verborgen bleibt, nur weil Schreiben so mühsam ist. Wäre dieses Wissen leicht zugänglich, kämen wir in vielen Bereichen schneller voran. Genau deshalb habe ich Buchkodex gegründet: Wir wollen klugen Menschen die mühsame Arbeit abnehmen, die zum Teilen ihres Wissens dazugehört.
Die Methode: Sprechen Sie Ihr Buch
Beim klassischen Schreiben quälen sich die meisten durch Grammatik und Formulierungen. Der Gedankenfluss reißt ständig ab, weil ein Wort fehlt. So dauert der erste Entwurf Wochen, Monate oder Jahre, obwohl der Experte genau weiß, was er sagen will.
Im Gespräch ist das anders. Dort strömen die Gedanken ganz natürlich. Bleiben Sie stecken oder verlieren Sie sich in Fachbegriffen, fragt Ihr Gesprächspartner nach. Sie füllen die Lücke, ohne darüber nachzudenken. Die meisten Experten sprechen gern. Die Angst vor der Schreibblockade fällt damit weg.
Bei Buchkodex haben wir lange genau so gearbeitet. Unser Team hat die Autoren in mehreren Gesprächen interviewt, meist sechs bis acht Gespräche zu je etwa 45 Minuten. Aus den Aufnahmen entstand der Buchtext. Sie können diese Methode auch allein mit einem Gesprächspartner umsetzen.
So läuft das Interview ab
Suchen Sie sich einen Interviewpartner. Er führt Sie Schritt für Schritt durch Ihr geplantes Inhaltsverzeichnis und stellt Fragen zu jedem Kapitel. Sie antworten, und das Gespräch wird aufgezeichnet. So fühlt sich das Buchschreiben an wie ein Gespräch mit einem Kunden.
Gute Fragen und Anregungen für Ihren Interviewpartner sind zum Beispiel:
- Erzählen Sie mir von dem Moment, als …
- Warum ist das wichtig?
- Was hat das für einen Vorteil?
- Was sind typische Fehler?
- Was muss man dabei beachten?
- Was wäre ein Beispiel dafür?
- Welches Risiko gibt es?
- Was ist daran anders?
Vier Regeln für gute Interviews
- Halten Sie sich an das Inhaltsverzeichnis. Ihr Interviewpartner bremst Sie, wenn Sie abschweifen. Sonst verlieren Sie die Struktur, die Sie vorher mühsam geplant haben. Lesen Sie vor jedem Kapitel kurz Ihre Notizen.
- Seien Sie konkret. Wählen Sie lieber weniger Themen und sprechen Sie über Einzelheiten. Ihr Interviewpartner versetzt sich in ein neugieriges Kind und fragt nach, sobald etwas unklar ist.
- Erzählen Sie Beispiele und Geschichten. Geschichten bleiben besser im Kopf als allgemeine Theorien.
- Lieber zu viel als zu wenig. Was Sie nicht aussprechen, steht später nicht im Buch. Ihr Wort ist Ihre Tastatur. Einen überflüssigen Satz streichen Sie später schnell. Einen fehlenden Absatz neu zu entwickeln, kostet viel mehr Zeit.
Wie lange sollten Sie sprechen?
Menschen sprechen etwa 90 bis 140 Wörter pro Minute. Ein Buch mit 200 Seiten hat rund 30.000 Wörter. Für ein solches Buch sollten Sie mit fünf bis acht Stunden Aufnahme rechnen, denn beim Überarbeiten fällt einiges weg. Für ein kompaktes Buch reicht entsprechend weniger.
Vom Transkript zum ersten Entwurf
Nach den Interviews lassen Sie die Aufnahmen in Text umwandeln. Das Ergebnis ist ein sehr grober Entwurf Ihres Buchs. Alle Inhalte sind schon da, auch Ihre typischen Redewendungen. Aber in Gesprächen brechen wir Sätze ab, wiederholen uns und machen grammatische Fehler. Das Transkript sieht deshalb ziemlich durcheinander aus.
So machen Sie daraus einen Buchtext:
- Öffnen Sie das Transkript und daneben ein leeres Dokument. Zwei Bildschirme oder ein breiter Bildschirm helfen.
- Lesen Sie den ersten Satz des Transkripts.
- Entscheiden Sie, ob er wichtige Inhalte für Ihr Buch enthält.
- Wenn nein, gehen Sie zum nächsten Satz.
- Wenn ja, schreiben Sie den Inhalt im leeren Dokument neu auf, so klar wie möglich.
Arbeiten Sie nicht direkt im Transkript. Sonst lassen Sie viele Sätze unverändert stehen, ohne über die beste Formulierung nachzudenken. Gönnen Sie sich zwischen den Kapiteln Pausen. Diese Arbeit kostet Kraft, besonders wenn Sie bisher wenig geschrieben haben.
Der zweite Entwurf: Laut vorlesen
Profis nutzen einen einfachen Trick: Sie lesen ihren Text laut vor, Satz für Satz, mit einer kurzen Pause nach jedem Satz. Fragen Sie sich dabei:
- Brauche ich diesen Satz?
- Was will ich mit ihm erreichen?
- Ist er verständlich?
- Bringt er meinen Leser seinem Ziel näher?
- Gibt es Füllwörter, die ich streichen kann?
- Welche Wörter stören den Lesefluss?
- Wiederhole ich mich?
Lassen Sie sich Zeit. Wer das ganze Buch an einem Tag überarbeiten will, übersieht viele Fehler.
Der letzte Schliff: ein zweites Paar Augen
Nach mehreren Runden kennen Sie viele Sätze auswendig. Ihr Gehirn ergänzt dann Wörter und Buchstaben, die gar nicht auf dem Papier stehen. Lassen Sie Ihren Text deshalb von einem Lektor oder einem sorgfältigen Testleser prüfen. Ihr Buch bleibt Jahre auf dem Markt. Sie wollen es selbstbewusst zeigen, ohne sich über Tippfehler zu ärgern.
Was die Methode an Zeit spart
Wer ein Buch klassisch Wort für Wort schreibt, braucht nach meiner Erfahrung meist 300 bis 500 Stunden, oft auch länger. Mit einem fertigen Transkript vor Augen ist der erste Entwurf oft in weniger als 40 Stunden fertig. Wie lange es bei Ihnen dauert, hängt von Ihrer Übung ab.
Heute geht es noch schneller
Die Interview-Methode funktioniert. Aber auch mit ihr bleibt viel Handarbeit: Gesprächspartner finden, Termine machen, abschreiben, ordnen, formulieren. Deshalb haben wir das Buchkodex Studio gebaut. Es stellt Ihnen dieselbe Art von Fragen, die unser Team früher in den Interviews gestellt hat. Ist eine Antwort noch zu dünn für ein Kapitel, fragt es nach.
- Ihr Aufwand: Normalerweise reichen etwa 60 Minuten Erzählen, per Sprache am Smartphone oder Computer. Tippen geht auch.
- Nur Ihre Inhalte: Buchkodex schreibt ausschließlich aus Ihren Antworten und Unterlagen. Es erfindet keine Erlebnisse, Kunden, Zahlen oder Zitate.
- Leseprobe: Nach etwa 20 Minuten lesen Sie Ihre Einleitung als echte Buchseiten, dazu Titelvorschläge, Cover-Entwürfe, Klappentext und Inhaltsverzeichnis. Kostenlos.
- Prüfen bleibt Ihre Aufgabe: Ein menschliches Lektorat ist nicht enthalten. Lesen Sie Ihr Buch vor der Veröffentlichung in Ruhe und lassen Sie jede Stelle per Sprache oder Text ändern.
Mehr Tipps für den Fall, dass es beim Schreiben hakt, finden Sie im Beitrag Schreibblockade lösen.
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