Selfpublishing oder Verlag? 7 Fragen für die richtige Wahl

Ihr Manuskript ist fertig. Herzlichen Glückwunsch. Sie haben den geistigen Mount Everest bestiegen, an dem viele scheitern. Doch bis Sie sich Autor nennen, fehlen noch einige Schritte. Und eine wichtige Entscheidung: Veröffentlichen Sie mit einem Verlag oder selbst?

In diesem Teil der Serie „Endlich Experte“ vergleiche ich beide Wege. Dazu bekommen Sie sieben Fragen, mit denen Sie den richtigen Weg für Ihr Buch finden.

Was nach dem Manuskript kommt

Nach dem Text muss Ihr Buch gestaltet und veröffentlicht werden. Dazu gehören:

  • Buchtitel und Cover
  • Gestaltung des Innenteils
  • Impressum und Autorenbeschreibung
  • Autorenprofile auf den Verkaufsplattformen
  • die ISBN
  • Druck und Vertrieb
  • und natürlich das Marketing

Jeder Schritt hat eigene Regeln. Wer das übernimmt, hängt vom Weg ab, den Sie wählen.

Der klassische Verlag

Ein klassischer Verlag ist eine Art Risikokapitalgeber für Buchideen. Sie bieten ihm Ihre Idee und Ihren Text an. Der Verlag übernimmt Lektorat, Gestaltung, Druck, Vertrieb und einen kleinen Teil des Marketings.

Bezahlt wird das auf zwei Arten. Entweder beteiligen Sie sich, zum Beispiel indem Sie einige tausend Exemplare abnehmen. Oder der Verlag ist so überzeugt, dass er allein an den Verkäufen und Rechten verdient. Bekannte Autoren bekommen manchmal einen Vorschuss, zum Beispiel 3.000 Euro bei Abgabe des Textes. Diesen Vorschuss verrechnet der Verlag mit Ihrem Honorar.

Als Autor bekommen Sie etwa fünf bis zwölf Prozent des Nettoladenpreises, in der Praxis meist eher fünf bis sieben Prozent. Bei einem Taschenbuch für 12,95 Euro sind das etwa 60 Cent bis 1 Euro pro Exemplar. Bei einem Vorschuss von 3.000 Euro müssen Sie also mehrere tausend Bücher verkaufen, bevor weiteres Geld fließt. Viele Bücher schaffen das nie. Der Verlag rechnet damit, denn er hofft auf einen Bestseller, der die anderen Bücher mitträgt. Außerdem erhält er einen Teil Ihrer Rechte und entscheidet über Text, Gestaltung und Marketing mit.

Der Interessenkonflikt

Ein Verlag nimmt nur Bücher auf, die zu seinem Programm passen, seinen Ruf stärken und sich verkaufen. Ihre Marke, Ihre Positionierung und die Aufträge, die Ihnen Ihr Buch bringt, sind ihm egal. Für ihn zählen die Verkaufszahlen des Buches.

Wie Sie in dieser Serie gelesen haben, ist der Buchverkauf für Unternehmer aber der schlechteste Weg, mit einem Buch Geld zu verdienen. Die vielen anderen Vorteile sind viel wertvoller. Hier gibt es also einen Interessenkonflikt. Berücksichtigen Sie ihn, wenn Sie mit einem Verlag sprechen.

Selfpublishing

Im Selfpublishing veröffentlichen Sie Ihr Buch selbst. Sie behalten die volle Freiheit, die Rechte und den größten Anteil am Verkaufspreis. Dafür kümmern Sie sich um alles: Text, Gestaltung, ISBN, Druck, Vertrieb und Marketing. Wer das zum ersten Mal macht, findet den Weg oft anstrengend.

Viele Bücher aus dem Selbstverlag erkennt man schon von weitem. Vor allem Cover und Gestaltung wirken oft billig. Das hat dem Selbstverlag lange einen schlechten Ruf eingebracht. Ihr Buch muss nicht dazugehören. Holen Sie sich für Cover und Satz professionelle Hilfe, dann sieht man Ihrem Buch den Weg nicht an.

Früher waren Autoren auf Verlage angewiesen. Diese Zeiten sind vorbei. Heute gibt es Dienstleister, die Ihnen einzelne Schritte oder fast alles abnehmen, während Sie selbst veröffentlichen.

Sieben Fragen für die richtige Wahl

1. Können und wollen Sie den Text selbst schreiben?

Ohne Text kein Buch. Fragen Sie sich ehrlich: „Habe ich die Zeit, die Lust und die Fähigkeit, einen guten Buchtext zu schreiben?“ Viele Unternehmer antworten mit „Ja, aber …“:

  • „Ja, aber es würde Monate dauern, weil ich vieles andere tun muss.“
  • „Ja, aber die Arbeit an Formulierungen macht mir keinen Spaß.“
  • „Ja, aber eigentlich will ich nur meine Idee vermitteln.“
  • „Ja, aber meine Zeit wäre anderswo besser investiert.“

Das ist verständlich. Schreiben erfordert Konzentration, Ausdauer und einen Hauch Wahnsinn. Erster Entwurf, dann überarbeiten, wieder und wieder. Füllwörter raus, starke Verben rein, Floskeln durch Beispiele ersetzen. Ein Verlag schreibt Ihnen diesen Text nicht. Wenn Sie nicht selbst schreiben wollen, brauchen Sie Hilfe, egal welchen Weg Sie wählen.

2. Wie viel Zeit haben Sie?

Die meisten Autoren brauchen allein oder mit einem Verlag sechs Monate bis mehrere Jahre für den Text. Gestaltung, Druck und Vertrieb dauern danach noch einmal Monate. Wollen Sie mit einem Verlag arbeiten, planen Sie Zeit für die Suche ein. Viele Autoren werden reihenweise abgelehnt. Oft ist es leichter, das erste Buch auf anderem Weg zu veröffentlichen und sich danach mit Ihren Erfolgen bei einem Verlag vorzustellen.

3. Was wollen Sie sonst noch aus Ihrem Buch machen?

Aus Ihrem Buch können Produkte, Veranstaltungen und Mitgliedschaften entstehen. Diese Freiheit haben Sie nur, wenn Sie die Rechte behalten. Mit einem Verlag müssen Sie jede weitere Nutzung absprechen und ihn wahrscheinlich beteiligen. Beim Buch selbst lässt sich das verschmerzen. Bei Kursen, Paketen oder Mitgliedschaften, die viel mehr kosten, sieht es anders aus.

4. Wie wichtig ist Ihnen Freiheit?

Text, Gestaltung und Marketing stehen für Ihre Marke und Ihre Persönlichkeit. Ein Verlag hat Richtlinien für Text und Gestaltung und redet beim Marketing mit. Sie dürfen nicht zu sehr polarisieren, weil das auf den Verlag abfärben könnte. Im Selfpublishing entscheiden Sie selbst.

5. Haben Sie eine Plattform?

Menschen kaufen von Menschen. E-Mail-Listen, Blogs, Videokanäle, Webinare: All das dient dem Aufbau einer Plattform. Eine Plattform ist wie ein Buch ein wertvoller Vermögenswert. Verlage verlassen sich darauf, dass Sie Ihr Buch selbst über Ihre Plattform vermarkten. In Ihrem Exposé müssen Sie zeigen, wie Sie das tun und wie viele Exemplare Sie selbst abnehmen.

Darin steckt ein Widerspruch. Verlage arbeiten am liebsten mit Autoren, die schon eine Plattform haben. Doch wer eine Plattform hat, braucht eigentlich keinen Verlag. Er verkauft die meisten Bücher ohnehin selbst und sollte dann auch den Großteil verdienen.

Fragen Sie sich: Haben Sie eine Website, einen Blog oder Kanäle in sozialen Netzwerken? Halten Sie Vorträge oder Workshops? Haben Sie Kunden und eine E-Mail-Liste? Lernen Sie regelmäßig neue Kunden kennen, etwa auf Messen? Wenn Sie alles mit „Nein“ beantworten, könnte ein Verlag passen. Er wird Sie ohne Plattform allerdings wahrscheinlich ablehnen. Beantworten Sie einige Fragen mit „Ja“, empfehle ich Selfpublishing.

6. Bewegen Sie sich in einer Nische?

Verlage wollen die Masse erreichen. Verkaufen Sie Turbinen für Kraftwerke, Versicherungen für Vermögende oder Software für Personalabteilungen, sind Ihre Chancen bei einem großen Verlag gering. Sollten Sie deshalb kein Buch schreiben? Gerade dann sollten Sie eines schreiben. Wahrscheinlich sind Sie der einzige Anbieter Ihrer Nische mit einem Buch. Das hebt Sie stark von der Konkurrenz ab.

7. Was erwarten Sie von Ihrem Partner?

In welchem Verlag sind „Die 7 Wege zur Effektivität“ von Stephen Covey, „The Effective Executive“ von Peter Drucker oder „Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert Cialdini erschienen? Sie wissen es nicht? Keine Sorge, so geht es fast allen Lesern. Kaum jemand interessiert sich für den Verlag. Wichtig sind der Inhalt, der Nutzen für den Leser und manchmal der Autor.

Hinter einem erfolgreichen Buch steckt immer ein sehr aktiver Autor. Wer glaubt, der Verlag übernehme das ganze Marketing, irrt sich. Fragen Sie sich deshalb: Was genau erwarten Sie von Ihrem Partner? Wobei soll er Sie unterstützen?

Mehr zu den Nachteilen eines klassischen Verlags lesen Sie im Beitrag Verlag finden. Wie Sie eine ISBN bekommen, steht im Beitrag ISBN beantragen.

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